Canale Grande (2) – Die Gästeliste

Wir haben den Hämmerle-Film aus der Taufe gehoben. Er heisst „Canale Grande – Herr Hämmerle sucht Herrn Goldoni!“ und hatte vergangenen Sonntag Premiere. In dieser Rubrik beschreiben wir, was wir auf dem Weg zur Premiere erlebten.

Eine Gästeliste muss atmen können. Das weiß man. Sie dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen. Die Einladungen sind verschickt, wir sind schnell ausgebucht. Viel zu schnell. Herr Kohlhepp bekommt zu spüren, nichts so variabel sein muss, wie eine gut geführte Gästeliste. 

Herr Kohlhepp führt eine solche Gästeliste und schickt sie weiter an Frau Schary, die Dame von der Agentur. Frau Schary macht aus der Eingangsliste eine mit alphabetischer Reihenfolge. Von A bis Z. Frau Schary ist nicht erfreut, als sie bemerkt, dass er Herr Kohlhepp ihr offenbar die falsche Liste gesendet hat. HerIMG_4606r Kohlhepp sagt, er habe noch eine andere. Die sei auch sehr aktuell. Er informiert Frau Schary,überdies, dass eine  Gästeliste atmet muss. Frau Schary sagt, Herrn Kohlhepp Gästeliste hätte offenbar Asthma. Herr Kohlhepp legt jetzt weitere Gästelisten an. Für jeden Anmeldetag eine.

Als Frau Schary diese bekommt sagt sie, sie bekäme jetzt nur  noch schwer Luft und ob Herr Kohlhepp das Alphabet nicht auswendig kennen würde. Es liegt knisternde Spannung in der Luft. Alles wegen einer Gästeliste.

Herr Kohlhepp macht kurzerhand einen neue.

Ersten Absagen von zuvorigen Zusagen. Ausatmen. Anruf: „Geht leider doch nicht.“ Diese Gäste kann man streichen. Besser ist, man streicht sie nicht. Vielleicht findet der Gast  noch eine Möglichkeit. Wenn die andere Veranstaltung vielleicht früher aus ist. Wenn der Babysitter doch nicht auf die Malediven fährt. Einatmen. 

Manche Gäste melden sich gar nicht. Das sind dann keine echten Gäste. Kann gut sein, dass die trotzdem kommen werden. Dann sind es doch Gäste. Gästelisten brauchen eine gewisse Bewegungsfreiheit. Es ist wie mit Schrödingers Katze.

Andere Gäste kommen nur wahrscheinlich. Diese Gäste versprechen, sie sagen dann auf jeden Fall Bescheid. Einfach schon mal vormerken. Wann dann ist, sagen sie nicht. Vielleicht nach der Veranstaltung. Dann brauchen sie nicht mehr Bescheid sagen. Meist hört man nichts mehr.

Herr Kohlhepp legt weitere Listen an und schickt sie an Frau Schary, die sich jetzt weigert, weitere alphabetische Listen daraus zu machen. Herr Kohlhepp weiß leider nicht, wie das geht. Frau Schary gibt es an ihren Gatten Heinz weiter. Der muss offenbar für irgend etwas büßen und leistet keinen Widerstand.

Das Gute: Niemand muss sich an eine Gästeliste halten. Nicht nötig. Trotzdem muss eine Gästeliste sein! 

Unbedingt! Schon deshalb, weil die Gäste später am Einlass sehen wollen, ob sie auf der Gästeliste stehen. Meist haben sie aber noch jemand mitgebracht. „Das wird doch wohl kein Problem sein. Wir hätten doch sicher noch Reserve…“

Manche potentielle Gäste fragen sogar zuvor, wer denn noch so alles kommen würde. 

Man kann begeisterte Zusagen erhalten, wenn man dann zum Beispiel Wladimir Klitschko sagt. Nicht ganz so gut läuft es bei Boris Becker, noch weniger bei Oliver Pocher.

Gut ist auch: Man muss es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.  Später kann man dann einfachsagen, dass die abgesagt hätten, als sie gehört haben, wer noch so alles kommt. 

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