Bericht: Bruddal beinharte Bigband besucht Biberach

5433079_1_detailtablet_B996536245Z.1_20181203160126_000_G5G5796CF.2-0.jpgFola Dada, Herr Hämmerle und die SWR-Bigband haben in der Stadthalle Biberach mit ihrem eindrucksvollen Programm gastiert. (Foto: Helmut Schönecker)

Swing, Comedy und Schwäbisch passen nicht nur bestens zusammen, sondern setzen auch ungeahnte Synergien frei. Den Beweis dafür lieferte in der vollbesetzten Stadthalle Biberach eine einzigartige Konstellation aus dem Bempflinger Urschwaben Bernd Kohlhepp alias „Herr Hämmerle“ und der in Korntal lebenden Diplommusikerin, Hochschuldozentin und „Black Magic Woman“ Fola Dada.

Schlagfertigkeit, Spontaneität, Redegewandtheit und echte Gefühle wurzeln in der Sprache und damit auch besonders im heimischen Dialekt. Übertreibungen, Parodien und Karikaturen bekannter Welthits, von der mehrfach Grammy nominierten SWR-Bigband virtuos, präzise und stilsicher in speziellen Arrangements und sattem Sound begleitet, ließen kein Auge trocken bleiben.

Ob vor Michael Jackson, Stevie Wonder (I wish – der „Wisch-Song“ für schwäbische Putzteufel), James Brown, Marilyn Monroe oder dem swingenden Stimmwunder Ella Fitzgerald, nach einer launigen Anmoderation von Herrn Hämmerle schreckten die Akteure vor keinem noch so berühmten Titel zurück und überzeugten damit rundum. Auch die Mischung zwischen Musikanteilen und Comedy war stimmig.

(…)

Einer der komödiantischen Höhepunkte in Biberach war die von dem Vollblutkabarettisten und veritablen Gesangssolisten und Entertainer Herrn Hämmerle in drolligem „Schwänglisch“ umgarnte Gesangsdiva, die er zum Duett motivieren wollte. Selbst diejenigen aus dem Publikum, die über die schwäbische Heimat Fola Dadas Bescheid wussten, ja selbst Fola Dada persönlich, kämpften – meist vergeblich – mit den Lachtränen. Um die in den ausgedehnten Lachsalven „verpassten“ Einsätze zu erklären, schob er die „Schuld“ flugs den hervorragenden Bläsersolisten in die Schuhe. Deren Verwendung des Gesangsmikros war nach seiner Überzeugung für diverse technische Aussetzer verantwortlich. Den Beweis dafür lieferte er umgehend durch eine rasend schnelle, fast schon virtuose Anmoderation mit selbst erzeugten Aussetzern, natürlich in breitestem Schwäbisch. Noch virtuoser gelangen nur die Tanzeinlagen im Stile von Michael Jackson.

Wer zu Beginn daran gezweifelt hatte, dass das schwäbische Sprachidiom dem Jazz nicht zu sehr entgegenkommt, wurde an diesem Abend mit „Swinging Comedy auf höchstem Niveau“ unter dem Motto „Obacht Schwabenstyle“ rasch eines Besseren belehrt. Stürmische Beifallsbekundungen und Zugabe-Rufe wurden denn auch mehrmals erhört und die Künstler entließen das Publikum mit strahlenden und zufriedenen Gesichtern in die erste Adventsnacht, in der Fola Dadas eindrucksvolle Stimme noch lange nachklang.

HELMUT SCHÖNECKER, Schwäbische Zeitung

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