Der Hämmerle-Film im Kino Waldhorn

Aus dem Reutlingen Generalanzeiger:
FILM

Der Italiener Hämmerle in Venedig

Bernd Kohlhepp stellt im Kino im Waldhorn in Rottenburg seinen Streifen »Canale Grande« vor. Darin versucht sein Alter Ego, in Venedig seinen Vater zu finden

Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle im Kino im Waldhorn in Rottenburg. FOTO: MORAWITZKY
Bernd Kohlhepp alias Herr Hämmerle im Kino im Waldhorn in Rottenburg. FOTO: MORAWITZKY

ROTTENBURG. Der echte Württemberger soll ja nicht so reiselustig sein. Herr Hämmerle aus Bempflingen reiht sich nun frech und bodenständig unter die Ausnahmen ein: Er vernahm den Ruf der weiten Welt, ihn zog es nach Venedig. Freilich trieb ihn dorthin nur die Ahnenforschung und ein Puzzle seiner Mutter.

Bernd Kohlhepp ist Herr Hämmerle. Der Kabarettist, der auf so vielen Bühnen zu Hause ist, hat mit dem Stuttgarter Regisseur Michael Maschke den ersten Film gedreht, in dem Hämmerle als Hauptfigur auftritt. »Canale Grande« heißt er, lässt den Schwaben im Trenchcoat mit investigativem Gesichtsausdruck durch die Lagunenstadt wandern. Roland Baisch und Mirjam Woggon spielten an seiner Seite, auch Nils Strassburg, Elvis-Imitator aus Ditzingen, schaut vorbei, steht plötzlich wortkarg im Aufzug. Im November stellte Kohlhepp sein Werk in den Stuttgarter Innenstadtkinos vor. Am Dienstag kam er nach Rottenburg, um im Waldhorn eine kleine Kinotournee seines Werkes zu eröffnen.

Hämmerles Reise beginnt in Tübingen. Dort schmachtet der Schwabe im Café die viel jüngere Bedienung Tamara an, schüttet viele Tassen Kaffee in sich hinein, vergisst seinen Regenschirm, schimpft auf Parkscheinautomaten und trägt sein Fahrrad auf der Außentreppe des Nonnenhauses zur Straße hinab.

Eingebung beim Chinesen

Kohlhepp spielt auch Hämmerles Mutter, die daheim an einem riesigen Puzzle des größten venezianischen Kanals arbeitet und nicht ins Altenheim möchte, ehe das letzte Puzzlestück am Platz ist. Hämmerle findet unter ihren Erinnerungsstücken das Bild eines gewissen Goldoni, will ihn für seinen verschollenen Vater halten, macht sich also widerstrebend auf die natürlich vergebliche Suche. Ein Italiener, mit einer italienischen Zeitung unterm Arm, wollte er schon immer sein.

In Rottenburg kommt Hämmerle mit einem Trommelwirbel auf die Bühne. Er trägt ein samtrot schimmerndes Sakko, einen vornehmen Schlips und einen kleinen schwarzen Hut. »Ich wollt ja erst eigentlich einen Krimi machen«, erzählt er. »Ich konnte aber nicht das Opfer und der Täter gleichzeitig sein.«

Die rechte Idee zum Film kam ihm dann beim Chinesen, als ihm der Glückskeks in die sieben Köstlichkeiten fiel. Etliche Referenzen, verrät er seinen Zuschauern, versteckten sich im Film – und tatsächlich: Der Vorspann wirkt ein wenig wie Edgar Wallace, die Abschiedsszenen machen Anleihe bei Woody Allen und verbeugen sich vor Humphrey Bogart.

Ein bisschen Rock ’n’ Roll hat Herr Hämmerle auch mit nach Rottenburg gebracht; Andrew, sein Begleiter, trommelt flott dazu, der Rest kommt vom Tonband. Und dann flammt die Leinwand auf. Es beginnt mit einem kurzem Film von der Stuttgarter Premiere – Baisch, Strassburg und Woggon schauen vorbei, Regisseur Maschke zeigt zufrieden sein Drehbuch, das auf einem Bierdeckel Platz hat. Hämmerle, endlich Star, schwirrt gut gelaunt zwischen den Gästen umher und kämpft trotzig mit dem roten Teppich. Der Hauptfilm beginnt, und »Canale Grande« (in korrektem Italienisch müsste es Canal Grande heißen) entpuppt sich als ein Hämmerle-Programm mit italienischer Bebilderung, das Bernd Kohlhepp künftig immer im Verbund mit einem Live-Auftritt präsentieren möchte. Termine in Riedlingen, Mühlacker und Öhringen stehen bereits fest, Termine in Balingen, Albstadt und Hechingen sind geplant.

Die Zuschauer spähen mit Hämmerle in die kleinen Wasserstraßen der morbide träumenden Stadt hinein, spazieren über ihre Plätze, sehen den Schwaben von Alpträumen geplagt im Hotelbett. Und sie bekommen natürlich viel vom typisch altklugen Hämmerle-Humor dazu. »Wenn es regnet«, raunt der Held bedeutsam in einer Szene, »ist Venedig von oben genauso nass wie von unten.« (GEA)

Eine Antwort zu “Der Hämmerle-Film im Kino Waldhorn

  1. Es war eine grandiose Vorstellung gestern im Theaterhaus mit Euch beiden. Danke für diesen wunderbaren Abend. LG Heidi

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